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Europäische Geschlechterpolitiken – EU-Ländervergleich

Polen

Geschlechterpolitische Situation in Polen

Übersicht

Rechtslage:

Akteur_innen:

Wissenschaft:

Kurzbeschreibung und -bewertung

Zwei Jahre nach ihrem Amtsantritt im November 2007 hat sich die Regierungskoalition aus Bürgerplattform (Platforma Obywatelska – PO) und Polnischer Bauernpartei (Polskie Stronnictwo Ludowe – PSL) fest etabliert. Alle bisherigen Meinungsumfragen sprechen dafür, dass die WählerInnen keinen Machtwechsel wollen.

Die staatliche Gleichstellungspolitik steht nicht mehr am Anfang und bewegt sich im Spannungsverhältnis zwischen den Forderungen der polnischen Frauenbewegung und den konservativen Kräften in Staat und Kirche. Gleichzeitig ist diese Situation für die „polnische Frau“ kein Grund zu resignieren, sondern die Herausforderung, gleichzeitig beruflich erfolgreich zu sein und eine Familie mit Kindern zu haben. Dieses Bild wird u.a. in den „intellektuelleren“ Frauenzeitschriften propagiert (z.B. „Twój Styl“, „Zwierciadlo“).

An die Novellierung des Abtreibungsrechts traut sich seit Jahren keine Regierung. In Polen ist das Recht auf Abtreibung so eng mit der Emanzipation und Gleichstellung von Frauen verknüpft. Allerdings wurde die Aufnahme des Verbots der Abtreibung bzw. des Rechts des ungeborenen Lebens in die polnische Verfassung abgelehnt. Nicht zuletzt das Ergebnis einer Kampagne weiblicher Abgeordneten und der Partnerinnen männlicher Abgeordneten.

Die Erfahrungen der polnischen Frauen seit der Wende von 1989 bestätigen diese Notwendigkeit für die neuen Mitgliedstaaten der EU exemplarisch. Verachtung der Rechte von Seiten der staatlichen Instanzen den Frauen gegenüber und mangelndes Interesse seitens der regierenden Parteien an der öffentlichen Meinung der Frauen in ihrer eigenen Sache ist in den osteuropäischen Ländern keine Seltenheit.

Für Letzteres ist der Umgang der Regierungen in Polen mit dem Amt für Geschlechtergleichstellung ein Beispiel. Es wurde 2006 von der Kaczynski-Regierung aufgelöst, am 17.03.2008 hat Ministerpräsidenten Tusk die Gleichstellungsbeauftragte ohne klare Kompetenzzuweisung wieder ins Amt berufen – aktuell ist das die Abgeordnete Elzbieta Radziszewska. Beides geschah ohne jegliche Konsultation von Frauenorganisationen.

Es gibt auch Aktivitäten der Regierung, die wie Scheinhandlungen aussehen, wie z.B. bei der zweibändigen Publikation, die im Auftrag des Ministeriums für Arbeit und Soziales 2006 entstand. Ihr Titel lautet "Krajowy System Monitorowania Równego Traktowania Kobiet i Mezczyzn" (Landesmonitoringsystem der Gleichbehandlung von Frauen und Männern), er suggeriert die Existenz eines Monitoringsystems. Von der Existenz dieser Bände und der Tatsache, dass sie kostenlos abgeholt werden können, wissen nur Eingeweihte. Der Bericht bietet Daten, die für die Alltagspraxis der Staatsverwaltung und der NGO´s jeglicher Art behilflich sein könnten. Man erfährt u. a., dass die Aktivität der Frauen in allen Lebensbereichen zunimmt, während die der Männer im familiären Bereich eher abnimmt, wodurch das traditionelle Familienmodell mit der Doppelbelastung von Frauen dominant bleibt.

Frauen sind im größeren Maße als Männer auf politische Konjunktur angewiesen, denn die einmal verabschiedeten Gesetze, die sie direkt betreffen, ändern sich mit jedem Regierungswechsel. Alimente, Mutterschaftsurlaub und vieles mehr werden gesetzlich immer wieder neu geregelt, so dass sich die ArbeitgeberInnen scheuen, Arbeitsplätze mit Frauen zu besetzen. Niemand will den Vorschlag der Pflicht zum Vaterschaftsurlaub diskutieren,  obwohl diese Lösung sowohl den gebärfähigen als auch den älteren Frauen helfen würde, weil die Konkurrenzfähigkeit der älteren Männer durch potenzielle Vaterschaft eingeschränkt werden könnte.

Der feministische Diskurs hat sich im Polen der Transformationszeit so ausdifferenziert, dass man auch in diesem Land von Frauen, jedoch nicht mehr von einem Frauenbild sprechen kann. Es gibt zwar Bestrebungen, ein Ideal der Weiblichkeit, ein homogenes Frauenbild im Rahmen der Familienpolitik nach der Wende von 1989 herzustellen, etwa nach dem traditionellen Muster der „Mutter Polin“, aber inzwischen zerfällt auch dieses Bild im Zuge eines Pluralisierungsprozesses in mehrere Typen: Neben der „Mutter Polin“ steht ihr Pendant, die emanzipierte Unternehmerin, neben der „gastronomischen Mutter“ eine Karrierefrau als Politikerin oder Akademikerin, neben der keuschen Frau eine Feministin oder Hexe, je nachdem, welche Zeitung man aufschlägt. Wie die Frauen sortiert werden, ist eher von politischen Optionen abhängig und nicht von den gelebten Lebensentwürfen der Frauen selbst.

Die „Frauenfrage“ dagegen ist in Polen weiterhin aktuell, weil die Gleichstellung der Geschlechter seit 1989 nicht gerade oben auf der Agenda der Regierungen stand, unabhängig davon, ob sie sich als rechts oder links definierten. Ein Indikator für eine gewisse Beliebigkeit, mit der diese Problematik politisch behandelt wird, ist dabei die Tatsache des immer noch fehlenden Gleichstellungsgesetzes.
(Bozena Choluj, 2008)

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Rechtslage

Gleichstellungsrecht

1997 hat sich der Text der VERFASSUNG geändert zugunsten der wörtlichen Gleichstellung von Mann und Frau. Gleichstellungsgesetze und die Liberalisierung des Abtreibungsgesetzes wurden zum Teil als Pfand eingesetzt, damit die katholische Kirche auf dem polnischen Land für den EU-Beitritt wirbt. Die polnische Gesetzgebung folgt, zum größten Teil, allen erforderlichen EU Richtlinien bezüglich der Gleichbehandlung. Es gibt aber noch immer keine generelle Berufsklassifizierung zur Berechnung von Gehältern, das bedeutet, verschiedene Jobs können nicht miteinander verglichen werden.

  • Konstytucja Rzeczypospolitej Polskiej (Verfassung der Polnischen Republik) - vom 2. Juni 1997
    Garantiert die Gleichstellung ihrer BürgerInnen die Rechtssprechung, die Menschen- und die Bürgerrechte betreffend
  • Kodeks pracy/Arbeitsrecht; Gleiche Behandlung bei Einstellung
    Verbot der Diskriminierung aufgrund verschiedener Grundvoraussetzungen
  • Nationales Programm zur Bekämpfung der rassistischen, xenophobischen Diskriminierung und der Nichttoleranz (Krajowy Program Przeciwdziałania Dyskryminacji Rasowej, Ksenofobii i Związanej z Nimi Nietolerancji 2004 – 2009
    Darüber hinaus gibt es etliche Gesetze und Regelungen, die der Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt oder durch Institutionen und Ämter entgegen wirken – darin sind aber Frauen als benachteiligte Gruppe nicht erwähnt.
  • Nationales Programm zugunsten von Frauenrechten (Krajowy Program Działań na rzecz Kobiet)
    als Resultat der internationalen Verpflichtungen Polens im Nachgang der Pekinger Frauenkonferenz

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Fakten

Die Diskriminierung der polnischen Frauen findet nach diesem Bericht vor allen Dingen in Politik und Wirtschaft statt. Sie verdienen im Lande 28 Prozent weniger als Männer mit der gleichen Ausbildung und Praxis und haben bei Beförderungen gegenüber ihren männlichen Kollegen meist das Nachsehen. In der polnischen Politik bestätigt das "World Economic Forum" sogar die Situation um die Gleichstellung der Frauen als schlimmer denn je zuvor, hier werden sie nämlich teilweise nicht einmal ernstgenommen.

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Expertenmeinung

Weder eine umfangreiche Gender Equality Strategie noch eine umfassende Gender Mainstreaming Strategie wurde in Polen ausgebildet. Es gibt keine speziellen Programme, die Männer ermuntern, eine größere Rolle im Familienleben zu übernehmen, welche die Einstellungen bezüglich der Verantwortlichkeiten in der Familie verändern oder die Teilung der Elternarbeit für beide Teile bestärken.

Es gibt ebenfalls keine speziellen Programme zur Förderung flexibler Arbeitsstrukturen oder Programme, die Gender Equality in den sozialen Sicherungssystemen problematisieren.

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Notwendig zu tun

Die Maßnahmen zur Gleichbehandlung von Frauen und Männern in den Gesetzen zur Arbeit müssen verbessert werden Die Regierung sollte die Institutionalisierung der Gender - Rahmenbedingungen ausbauen durch die Etablierung eines Antidiskriminierungs-Büros mit quasi rechtsprechender Autorität, um Diskriminierungsfällen zu begegnen Die Regierung sollte systematisch Bemühungen unternehmen, um das Bewusstsein gegenüber Gender und Diskriminierung in der Gesellschaft zu schärfen.

März 2010
Die Europäische Kommission versendet heute an Österreich, Belgien und Polen ein letztes Mahnschreiben, die sogenannte mit Gründen versehene Stellungnahme (letzte Stufe des Vertragsverletzungsverfahrens vor der Klage beim Gerichtshof der EU), weil diese Länder nicht mitgeteilt haben, mit welchen Vorschriften sie die EU-Richtlinie zur Gleichstellung von Männern und Frauen (Richtlinie 2006/54/EG) auf nationaler Ebene umsetzen. Gleichzeitig stellt die Kommission das Vertrags­verletzungs­verfahren gegen Estland ein, nachdem es seine Vorschriften zur Umsetzung dieser Richtlinie übermittelt hat.

Polen hat mehrere Maßnahmen zur Umsetzung der Richtlinie mitgeteilt. Da aber noch nicht alle Umsetzungsmaßnahmen abgeschlossen waren, kann auch die Mitteilung nicht als vollständig gelten.

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Antidiskriminierungsgesetz

Seit der Wende 1989 wurden wichtige Gesetze im Arbeits- und Sozialrecht im Prozess der EU-Angleichung verändert bzw. erlassen, die auch die Rechte der Frauen stärken. 2003 fand die Reform des Arbeitsrechts statt, welches Diskriminierungsverbote bezüglich des Geschlechts enthält. Allerdings fehlen positive Maßnahmen, welche die Umsetzung des Anspruchs in die Wirklichkeit befördern. Kein gesondertes Antidiskriminierungsgesetz vorhanden.

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Gesetze zu Quoten v.a. im politischen und wirtschaftlichen Bereich

2001 führten die Parteien UP, SLD, PO eine 30% Quote für Frauen auf den Wahllisten ein. Das geschah vor allem dank einer überparteilichen Wahlkoalition.

Am 31.Januar 2011 unterschrieb der Präsident Bronislaw Komorowski den Beschluss zur Quotierung der Wahllisten 2011. 35 % der Plätze müssen für Frauen vorbehalten sein, die Listung muss abwechselnd geschehen. Der Präsident versprach bei seiner Wahl die Einführung der Quote für jegliche Wahllisten, wenn das Parlament es verabschiedet.

Dem Frauenkongress ist das natürlich nicht genug, wenn auch ein partieller Erfolg. Vor allem in der Wissenschaft und Kultur sind Frauen in Führungspositionen eine Seltenheit. Der dritte Frauenkongress findet 17.-18. September 2011 unter internationaler Beteiligung statt (Kongres Kobiet, polnisch)

Quelle: Polityka vom 5.2.2011: Odpięty suwak  - Archiwum tygodnika POLITYKA (polnisch)

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Weitere Gesetze/rechtliche Regelungen und Regierungsprogramme

Es gab ein Regierungsprogramm zur Gleichstellung – rowny status -, welches aber nicht mehr verfolgt wird (die Homepage wurde abgeschaltet).

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Aktueller politischer Diskurs

  • Bekämpfung der Zwangsprostitution (Polen ist sowohl Herkunfts-, Transit- und Konsumland von Zwangsprostitution)
  • Beteiligung von Frauen in der Wirtschaft
  • Recht auf Abtreibung, Homosexualität als Lebensentwurf oder in legalisierter Partnerschaft sind auf institutioneller Ebene keine Themen.
  •  Stattfindende „Gleichheits Paraden“ oder 2010 der Euro Pride lassen immer wieder hitzige Debatten aufleben. Die Gegendemonstrationen sind garantiert und sind oft sehr aggressiv und geschmacklos geführt.

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Akteur_innen

Frauen NGOs

Ständige Änderungen von Vorschriften führen auch zu Turbulenzen in den Frauen-NGOs, weil sie ihre Arbeitsschwerpunkte auf neue Problembereiche immer wieder verschieben müssen. Auch die Finanzierung von NGOs ist davon betroffen. Außer dem einen Prozent, den jeder Pole bzw. jede Polin zugunsten dieser oder anderer Organisation von der Steuer absetzen kann, gibt es keine andere Absicherung für ihre Tätigkeit. So suchen sie meistens nach Unterstützung im Ausland, wodurch sie in den Verdacht geraten, dass sie im Dienste fremder Kulturen handeln. Und so schließt sich der Kreis unter dem Motto der kulturellen Eigenheit, mit der sich das offizielle Polen die Mängel in seiner Geschlechterpolitik auf internationalen Foren gern rechtfertigt.

Die staatliche Unterstützung der Kampagne und Hilfe gegen die Gewaltanwendung gegenüber Frauen betrug 2007 nur 40.000 Zlotys (ca. 12.000 Euro). Das kann ein Hinweis auf die Vernachlässigung der Frauenfragen sein und ist sicher keine kulturelle Besonderheit Polens. Die politische Partizipation von Frauen wird immer nur bei Wahlkampagnen diskutiert, denn bis heute sind die Vorschläge in diesem Bereich über eine 30%-Quotierung auf den Wahllisten einiger Parteien nicht hinausgegangen.

Die Liste der nicht erledigten Probleme der Geschlechter- und Frauenpolitik in Polen, die in der politischen Rhetorik familienorientierter ist lang. Frauen werden nur als integraler Teil einer traditionell aufgefassten Familie betrachtet. Die Familienpolitik konzentriert sich vor allem auf sie als Schwangere. Nach der Entbindung bekommen sie 1000 Zloty "Entbindungsgeld" ("Becikowe"), unabhängig von ihrer finanziellen Lage, womit die staatliche Unterstützung für sie aber schon so gut wie ausgeschöpft ist. Denn das Kindergeld, welches kinderreiche Familien bekommen, ist sehr gering bemessen und stellt eher eine symbolische denn reale Hilfe dar. In der Arbeitswelt ist die Frage der Kinderbetreuung kaum gelöst. Die Rentenversicherung ist geschlechtsspezifisch geregelt, wodurch Frauen benachteiligt sind, weil sie früher pensioniert werden und dadurch eine kürzere Arbeitszeit erreichen.

Die so genannte "Frauenfrage" ist daher immer noch aktuell. Die Kommunikation zwischen der Regierung und den feministischen Nichtregierungsorganisationen (ca. 300 in ganz Polen), die sich seit Jahren um die Gleichstellung der Geschlechter in Polen bemühen, ist praktisch abgebrochen. Die Polinnen erfahren, dass die demokratische Idee der civil society als Informationsfluss und Zusammenarbeit zwischen allen politischen Strukturen praktiziert werden kann, aber nur, solange der politische Wille seitens der staatlichen Macht dazu besteht.

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Parteien, zivilgesellschaftliche Organisationen

Zahlreiche NGOs in Polen beschäftigen sich mit Gleichstellung, Antidiskriminierung und feministischen Themen. Nach Angaben des Fraueninformationszentrums existieren ca. 300 Frauenorganisationen in Polen. Die NGOs tragen den Löwenanteil der aktiven Antidiskriminierungsarbeit in Polen. Auch kleine Vereine widmen sich Frauen- und mädchenpolitischen Aktionen. Eine Linkliste hierzu findet sich sehr gut sortiert auf der Seite der Feminotek (siehe weiter unten).

Networt of East  East-West-Women (polnisch,z.T.englisch):
Eine der umfangreichsten Seiten zu Gleichstellungspolitik und aktuellen politischen Tendenzen in Polen. Mit zahlreichen Verweisen (auch zu Internet-Seiten anderer Länder), Artikeln, Aktionen, Kampagnen. Wird ständig aktualisiert.

Schlesische Gender Zone (polnisch):
Hier kann man die Kontakte zu den verbliebenen Gleichstellungsbeauftragten in den Wojewodschaften finden, sowie zahlreiche Artikel zu GM und deren Instrumente; ebenso sind die nationalen und EU Rechtsgrundlagen eingestellt sowie ein Glossar. Die Seite ist ein Projekt der Stiftung Feminoteka.


Konsola (polnisch):
Konsola ist ein „Frauenverein“ (so der Name), der seit 1997 existiert (offizielle Gründung 1999). Sie behandeln Themen, wie‚ Frauenrechte sind Menschenrechte’ oder der Zugang für Frauen auf den Arbeitsmarkt. Sie propagieren feministisches Denken und unterstützen den Auf- und Ausbau der Gender Studies. In Seminaren und Veranstaltungen machen sie die genannten Themen öffentlich. Zahlreiche Projekte wurden durch Konsola angestoßen und bereits realisiert.


Oska (polnisch):
Die Webseite der „Grand Dame“ unter den polnischen Frauenorganisationen, die sich allerdings im letzten Jahr verändert hat. Die polnische Szene der Frauen-NGOs ist tief gespalten, was sich auch hier in organisatorischen und inhaltlichen Änderungen niederschlägt. Sie ist aber immer noch eine Fundgrube mit einer umfassenden Sammlung von Verlinkungen zu anderen Organisationen, wissenschaftlichen Artikeln, politischen Reports und weiterführenden Adressen.

Efka (polnisch, z.T. englisch):
Stiftung der Frauen; aufgebaut u.a. mit Unterstützung der Heinrich Böll Stiftung; geben eigene Zeitschrift „Zadra“ heraus sowie Bücher im Eigenverlag.

Feminoteka (polnisch, z.T. englisch):
Umfangreiche Seite mit zahlreichen Artikeln; u.a. ein Artikel von Michal Hasiow „Auch ich habe abgetrieben“. Feminoteka gibt auch Bücher heraus und vertreibt Bücher.

Partia Kobiet (Frauenpartei)(polnisch):
Ist eine Initiative von bekannten Frauen, die in der Gründung einer Partei mündete. Sie sind sehr aktiv und vor allem durch gute PR-Strategie bekannt. Sie sind zu den Wahlen zum Parlament 2007 angetreten und haben in manchen Wahlkreisen fast 3% Stimmen bekommen. Sie ist allerdings eher im sehr konservativen politischen Spektrum anzusiedeln. Vertritt sie zwar die Frauen, die sich sonst nicht feministisch nennen oder in die Richtung engagieren würden, ist jedoch eine Mitgliedschaft lesbischer Frauen nicht erwünscht.

Frauen Für Frauen (polnisch):
umfangreiche Seite mit Diskussionsforen und Artikeln, kulturellen Hinweisen usw. vor allem zur Homosexualität.

Demokratische Frauenunion (polnisch):
Seit 20 Jahren aktiv und in den Frauen-Netzwerken etabliert.

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Regierung, Ministerien

Es hat sich einiges getan aufseiten der Regierung und vor allem in ihrer Kommunikation mit den BürgerInnen. Jede Minisiteriums-Homepage bietet zumindest zu einem der Stichworte gender, gender mainstreaming, kobieta (Frau) oder rowne szanse (Chancengleichheit) Informationen oder Verlautbarungen.

Abteilung Familie, Frauen und Antidiskriminierung:
Ist die offizielle Seite der Abteilung Familie, Frauen und Antidiskriminierung, sie ist beim Ministerium für Arbeit und Sozialpolitik angesiedelt. Die Homepage ist nur auf Polnisch, aber sehr informativ. Dort wird über die Gesetzeslage informiert, über die Lücken in den Gesetzen und es werden Themen wie Gleichstellungs- und Geschlechterpolitik angeschnitten.
Der aktuellen Regierung (nächste Wahlen 2011) gehören vier Ministerinnen an.
Im Herbst 2007 fand ein Treffen aller MinisterInnen zum Thema Gleichstellung der Geschlechter – Austausch zu Programmen und guten Praxisbeispielen statt.

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Weibliche Regierungsmitglieder

  • Elzbieta Bienkowska (pateilos) – Ministerin für Regionalentwicklung:
    Das Ministerium gab 2009 eine umfangreiche Broschüre mit der Prämisse „Die Zukunft ist Frau“ (Kobiety w zarzadzaniu i czynniki ich sukcesów) heraus. Auf der Homepage des Ministeriums sind einige Artikel zum Thema Gender Mainstreaming bezüglich Regionalentwicklung zu finden.
  • Jolanta Fedak (PSL) – Ministerin für Arbeit und Sozialpolitik:
    Das Ministerium für Arbeit und Sozialpolitik folgt den EU Richtlinien und hält verschiedene Aktionen und Papiere zum Thema Gleichstellung im Beruf bereit. Die Ministerin selbst nahm am polnischen Frauen-Kongress selbstverständlich teil – die Topthemen des Kongresses 2010 waren häusliche Gewalt und am Arbeitsplatz, Frauen 50+ für den Arbeitsmarkt und Vereinbarkeit von Familie und Beruf für beide Elternteile. Für letzteres Thema gibt es auf der Homepage des Ministeriums einen eigenen Bereich mit einer thematischen Zusammenstellung von Informationen.
  • Katarzyna Hall (parteilos) – Ministerin für Volkserziehung:
    Das Ministerium für Volkserziehung hat keine eigenen Aktionen, was die Beschäftigung mit Gender Mainstreaming oder Mädchenprogrammen betrifft. Sie zeigt lediglich die Initiative für die Förderung von Mädchen in der Polytechnik an – ähnlich dem girlsday in Deutschland (allerdings findet sich nichts dazu an prominenter Stelle der Homepage des Ministeriums).
  • Ewa Kopacz (PO) – Gesundheitsministerin:
    mit Aktionen und Informationen für Frauen mit Kind, also Mütter.
  • Barbara Kudrycka (PO) – Ministerin für Wissenschaft und Hochschule:
    Das Ministerium für Wissenschaft und Hochschule betreut ein Programm mit dem Titel „Frauen in der Wissenschaft“, wozu es auch Tagungen in den Regionen gibt. Außerdem arbeitet das Ministerium mit „Elle“ zusammen, um junge Mädchen in die MINT Studien zu bringen und sie unterstützen das Stipendienprogramm der L’Oreal Stiftung.

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Andere Gender-Akteur_innen

Kampagne gegen Homophobie (polnisch) und  Campaign Against Homophobia (polnisch und englisch)

Es gibt ein Forum (Yahoo Groups), das von Feministen gegründet wurde; hier diskutieren Männer und Frauen zu Feminismus und Gleichstellung, Gewaltfreiheit und andere politischen Themen. Sie wollen gegen Geschlechter-Stereotype ankämpfen und sich nicht von ihrem eigenen Sexismus vereinnahmen lassen. Es liegt aber seit einiger Zeit ein bisschen brach – die Gründungsmitglieder sind anderweitig in der Gender- und Queerszene aktiv.

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Einzel-Akteur_innen

  • Bozena Choluj (E-Mail: b.choluj@uw.edu.pl), hat 1995 die Warschauer Gender Studies mit gegründet.
  • Anna Kaminska (E-Mail: kaminska2005@gmail.com) ist aktive Feministin und Gründerin der Karat Koalition, sowie der parteiübergreifenden Fraueninitiative vor den Parlamentswahlen 2001.

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Wissenschaft

Universitäten

An fast allen großen Universitäten kann man mittlerweile Gender Studies studieren.

uniGender ist eine sehr umfangreiche und gute Informationsseite.

Auch sehr gut und informativ ist der Studienbereich Gender Studies der Warschauer Universität.

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Quellen

Beschreibung der Quellenlage.
Die Quellenlage ist unterschiedlich. In der Landessprache stehen viele Internetseiten seitens der schon erwähnten NGO-Szene zur Verfügung, wenig in Englisch. Die Regierungsseiten beschränken sich ebenfalls auf die Landessprache und sind keine ergiebige Quelle bei der Thematik Gleichstellung.

Benennung weiterer interessanter Quellen:
Internetadressen wurden immer direkt im Kontext genannt.

Außerdem:

Federacja na rzecz Kobiet i Planowania Rodziny (Vereinigung für Angelegenheiten der Frauen und Familienplanung, polnisch und englisch);  die Site wirkt inhaltlich auf den ersten Blick eher konservativ, gibt aber einen guten Überblick über aktuelle Entwicklungen und wirkt vor allem informierend und beratend (z.B. kritische betrachtung der restriktiven Politik einer Schwangerschaftsunterbrechung betreffend).

Feministyczno-Genderowo-Queerowa Mozaika Myslowa – feministisches-gender-queeres Gedanken-Mosaik (ausschließlich auf polnisch) – aktuelle politische Diskussionen und Ereignisse werden kommentiert.

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Literatur

B. Choluj/C. Neusüß, Geschlechtergleichstellung in Polen, in : Implementation von Gender Mainstreaming

Malgorzata Fuszara, Unvollendete Demokratie, in: Hoecker/Fuchs, Handbuch Politische Partizipation von Frauen in Europa, Band IIVS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2004

Annette Jünemann/ Carmen Clement (Hg.): Die Gleichstellungspolitik der Europäischen Union, The Policy of Gender Equality in the European Union, Nomos 2005, 180 S., 36,- Euro, ISBN 3-8329-1107-3, Schriftenreihe des Arbeitskreises Europäische Union e.V., Bd. 52.

Die Frauenfrage in der polnischen Politik, aus: Polenanalysen NR. 34 03.06.2008, (Polen-Analysen)

European Parliament - Directorate General for Internal Policies - Policy Department C: Citizen's rights and constitutional affairs - Gender Equality The policy on gender equality in Poland - Note (PDF, 21 Seiten, 747 KB, englisch), 2011

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Ergebnisse einer Recherche von Tanja Berger und Pamela Dorsch 2010 im Auftrag des Gunda-Werner-Instituts der Heinrich-Böll-Stiftung
Gut zu wissen
  • Das Netzwerk Europäische Bewegung Deutschland (EBD) organisiert und fördert den europapolitischen Dialog zwischen Gesellschaft und Politik in Deutschland. mehr»
  • Zypern übernimmt am 01.07.2012 die EU-Ratspräsidentschaft unter dem Motto "ein besseres Europa". Darin wird u.a. die Ungleichbezahlung von Frauen und Männern kritisiert. mehr»
  • Neue Studie über Gleichstellungspolitik in Norwegen - Bestnoten im internationalen Vergleich mehr»
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