Call for Papers: Verschränkte Ungleichheiten in historischer Perspektive

Call for Papers

Call for Papers der Freiburger Zeitschrift für GeschlechterStudien.

Verlängerte Deadline bis zum 15.04.2021

Ein intersektionaler Blick auf die heutige Situation zeigt deutlich: Die sozialen Konsequenzen der Pandemie treffen die Schwächsten am schnellsten und am härtesten. Diese Einsicht ist nicht neu; soziale Ungleichheiten zeichnen sich allerdings aktuell besonders vehement ab. Dagegen organisieren sich Bewegungen wie bspw. #BlackLives-Matter, #LeaveNoOneBehind oder auch #ShutItAllDown. Sowohl sie, als auch die Verhältnisse, die sie bekämpfen, haben ihre (post-/koloniale/n) Geschichte/n. Doch wir stellen fest: Unter historischer Perspektive werden verschiedene Differenzkategorien wie Hautfarbe, Ethnie, Klasse, Geschlecht, Geschlechteridentität, Begehren, Körper, Religion usf. häufig unabhängig voneinander betrachtet. So befasst sich die Geschichtswissenschaft bspw. mit kolonialem Rassismus, Klassenunterschieden, Religionskonflikten oder Geschlechterverhältnissen und übersieht dabei deren verschränkte Konstellationen. Dieses Vorgehen verdeckt die damit verbundenen spezifischen Ausschluss-, Benachteiligungs- und Privilegierungsmechanismen; Solidarisierungen auf reflektierter Grundlage werden dadurch erschwert.
Bereits 1851 wurde eine solch isolierte Betrachtungsweise von So-journer Truth in ihrer berühmt gewordenen Rede „Ain’t I a woman“ angeprangert. Spätestens seit Kimberlé Crenshaws 1989 erschienenem Aufsatz wird die Verschränkung von Differenzkategorien unter dem Begriff Intersektionalität verhandelt. Seit den 1990er Jahren avancierte Intersektionalität zum analytischen Konzept feministischer Theorie und ist inzwischen in diversen akademischen Feldern geläufig. In der historischen Forschung und historisch arbeitenden Disziplinen lassen sich hingegen sehr wenige Untersuchungen finden, die diesen Ansatz theoretisch oder methodisch anwenden. Das Konzept Intersektionalität, das aus der Criticial Race Theory kommt, soll hier dazu genutzt werden, die Reflexion von race-class-gender in die Historiographie einzuschreiben. Beiträge, die sich auf andere Differenzkategorien konzentrieren, fassen wir unter „verschränkte Ungleichheiten“.

Unser Call fragt daher breit gefächert nach zwei Ansätzen. Zum einen geht es uns um die Darstellung dezidiert historischer Zugänge zu intersektionalen Themen, die den Wandel und die Diversität sozialer Ungleichheiten in ihrer Verschränkung erforschen. Wie werden biografische und strukturelle Differenzkategorien zusammengedacht, kontextualisiert und analysiert? Beiträge, die politik-, sozial-, wirt-schafts- und kulturgeschichtlichen Perspektiven diskutieren und vergleichen sind willkommen, ebenso wie Beiträge, die unterschiedliche Epochen sowie verschiedene Weltregionen untersuchen. Zum anderen interessiert uns die Historizität des intersektionalen Forschungs-konzepts selbst, deren Anfänge sich u.a. in der seit den 1980er Jah-ren sich etablierenden Frauen- und Geschlechtergeschichte finden.

  • Wie und wo forscht Geschichtswissenschaft intersektional?
  • Welche Auswirkungen hat die zurückhaltende Anwendung des intersektionalen Ansatzes für unser Geschichtsbild und aktuelle Debatten?
  • Braucht es neue Methoden, um in der Geschichtswissenschaft intersektional arbeiten zu können?
  • Welche geschichtswissenschaftlichen Felder lassen sich ausschließlich intersektional bearbeiten?
  • Werden durch intersektionale Zugänge etablierte Narrative, Zäsuren und Epochen infrage gestellt?

Die Gast-/Herausgeber*innen der Freiburger Zeitschrift für GeschlechterStudien Ausgabe 28|2022 freuen sich ebenfalls über Manuskripte aus unterschiedlichen Disziplinen, die das Konzept Intersektionalität historisieren und kontextualisieren, als auch die Relevanz, Potenziale und Grenzen des Konzepts für historische Fragestellungen ausloten oder methodische Weiterentwicklungen vorschlagen.


Verlängerte Deadline bis 15.04.2021
Bitte reichen Sie Ihren deutsch- oder englischsprachigen Text zum Thema Verschränkte Ungleichheiten bis zum 31. März 2021 bei fzg@zag.uni-freiburg.de ein. Der Artikel sollte max. 40.000 Zeichen (inkl. Literaturverzeichnis, inkl. Leerzeichen) umfassen: Voranzustellen sind eine max. zehnzeilige Zusammenfassung (Abstract) und fünf keywords gemäß des Schlagwortindex bei Gender Open (jeweils: deutsch und englisch). Eine Rezension zu einer Publikation des Themenschwerpunkts sollte max. 12.000 Zeichen umfassen und bis Ende Juli 2021 bei der fzg eingehen.
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